Formale Theorien
Mathematiker beweisen wahre mathematische Aussagen. Die grundlegenden Wahrheiten sind Formeln, von denen man weiß (oder annimmt), dass sie Tautologien sind. Ein Beweis für eine Tautologie  ist etwas, was jeden davon überzeugt, dass  eine Tautologie ist.
Zum Beispiel kann eine Wahrheitstafel, in der in der rechten Spalte nur w stehen, als Beweis für eine Tautologie aufgefasst werden. Man kann den Beweis einfach überprüfen, indem man jede Zeile der Wahrheitstafel überprüft und dazu den Wahrheitswert der Formel unter der der Zeile entsprechenden Belegung ausrechnet. Wahrheitstafeln werden aber schnell sehr groß und sind dann nicht mehr handhabbar. Deshalb werden Beweise auch anders geführt.
Betrachten wir dazu einen Beweis der folgenden Behauptung. Behauptung: Sei n eine natürliche Zahl. Wenn n ungerade ist, dann ist n2
ungerade.
Beweis: Sei n eine natürliche Zahl und n sei ungerade.
Weil n ungerade ist, hat n nicht den Primfaktor 2. n2
hat die gleichen Primfaktoren wie n. Folglich hat n2
nicht den Primfaktor 2. Also ist n2
nicht gerade.
Wir schreiben den Beweis nochmals mit Bemerkungen dazu auf, wie die einzelnen Beweisschritte zustande kommen.
Zuerst wird die Hypothese A als wahr angenommen. Im nächsten Schritt wird die Definition von ungerade Zahl auf die Zahl n angewendet. Im darauffolgenden Beweisschritt zeigt man, dass die Aussage  wahr ist und wendet danach die Definition ungerade Zahl an, aber diesmal auf die Zahl n2
. Im abschließenden Schritt schlussfolgert man daraus D.
Insgesamt wird  bewiesen. Dies ist in der Tat eine Tautologie. (Das zeigt aber nur, dass die Schlussfolgerungen im Beweis korrekt sind.)
Wir wollen diese Art des Beweisens nun auf formale Füße stellen und führen dazu den Begriff der formalen Theorie ein. Eine formale Theorie dient dazu, über Beweise sprechen zu können. Die Grundlage hierfür bildet eine Menge von Formeln. Eine Teilmenge davon sind die Theoreme (=Formeln, die man beweisen kann). Ein Beweis ist eine Kette von Schlussfolgerungen basierend auf grundlegenden Wahrheiten. Die grundlegenden Wahrheiten werden durch Axiome festgelegt. Die Art der Schlussfolgerungen wird durch die Ableitungsregeln festgelegt.
Definition formale Theorie
Eine formale Theorie  ist ein Tripel  bestehend aus
- einer Menge von Formeln
 ,
- einer Menge von Axiomen
 und
- einer endlichen Menge entscheidbarer Relationen
 , die man als Ableitungsregeln bezeichnet.
Die Formelmenge  bezeichnet man auch als Sprache der Theorie und die Formeln in  werden auch als Formel in der Theorie bezeichnet. Theoreme einer Theorie sind die Formeln, die man beweisen kann.
Definition Beweis und Theorem
Ein Beweis in einer (formalen) Theorie  ist eine Folge  von Formeln von  , so dass für  (i = 1, 2, ..., n) gilt:
-
 ist ein Axiom von  oder
-
 ist aus vorhergehenden Formeln  (j1
, j2
, ..., jm
< i) mit einer Ableitungsregel von  ableitbar, d.h. die Ableitungsregel  gehört zu  .
Ein Theorem von  ist eine Formel, die am Ende eines Beweises in  steht.
Beim Beweisen geht es auch um das korrekte Ziehen von (Schluss-)Folgerungen aus (bewiesenen oder unbewiesenen) Hypothesen. Daher soll auch dieser Begriff formal erfasst werden.
Definition Folgerung
 ist eine Folgerung aus der Formelmenge  in  , falls es einen Beweis für  in der Theorie  gibt, in der man die Menge  zu den Axiomen von  hinzugenommen hat.
Schreibweisen:
 bedeutet  ist Folgerung von  in  .
 schreibt man für  .
 bedeutet  ist Theorem von  .
Falls  eine endliche Menge ist, schreibt man  anstelle von  und  anstelle von  .
Miß alles, was sich messen läßt, und mach alles meßbar, was sich nicht messen läßt.
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