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Euklidische GeometrieDie Euklidische Geometrie ist zunächst die uns vertraute Geometrie der Ebene oder des Raums. Der Begriff hat jedoch sehr verschiedene Aspekte und lässt Verallgemeinerungen zu. Die Geometrie des EuklidIm engsten Sinne ist Euklidische Geometrie die Geometrie, die Euklid in Den Elementen dargelegt hat.
Über zweitausend Jahre lang wurde Geometrie nach diesem axiomatischem Aufbau gelehrt. Die Redewendung "more geometrico" (lateinisch: "auf die Art der (Euklidischen) Geometrie")) dient noch heute als Hinweis auf eine streng deduktive Argumentation. Euklid geht dabei folgendermaßen vor: DefinitionenDas Buch beginnt mit einigen Definitionen, beispielsweise:
Ähnlich werden Ebene, Winkel u.a. definiert. Außer diesen mehr oder weniger anschaulichen Definitionen von Grundbegriffen gibt es auch Definitionen, die im modernen Sinne als Worteinführungen zu verstehen sind, weil sie im folgenden Text abkürzend gebraucht werden. So zum Beispiel für Parallelen: "Parallel sind gerade Linien, die in derselben Ebene liegen und dabei, wenn man sie nach beiden Seiten ins Unendliche verlängert, auf keiner Seite einander treffen." Insgesamt geben die "Elemente" 35 Definitionen. PostulateNach den eher beschreibenden Definitionen folgen die fünf eher festlegenden Postulate. Gefordert wird hier:
AxiomeAn die fünf aufgeführten geometrischen Postulate schließen sich mehrere logische Axiome an, zum Beispiel:
Probleme und TheoremeHierauf aufbauend behandelt Euklid nun Probleme...
...und Theoreme
Zur Lösung eines Problems oder zum Beweis eines Theorems werden grundsätzlich nur die Definitionen, Postulate und Axiome, sowie vorher bewiesene Theoreme und die Konstruktionen aus vorher gelösten Problemen verwendet. Geometrie und Wirklichkeit bei EuklidAls Schüler Platons war Euklid jedenfalls davon überzeugt, dass die von ihm formulierten Postulate und Axiome die Wirklichkeit wiedergeben. Gemäß Platons Ideenlehre stellen sie sogar ein höheres Maß an Realität dar als die in den Sand gezeichneten Figuren, aus denen sie erschlossen sind. Das Verhältnis zwischen einem unvollkommen gezeichneten Kreis und der Idee des Kreises kann man als eine besonders anschauliche Anwendung für Platos Höhlengleichnis betrachten. KritikAus heutiger Sicht genügen "Die Elemente" nicht dem Anspruch an eine axiomatische Theorie:
Hieraus folgt, dass die Schlüsse notgedrungen eine Vielzahl von unausgeprochenen Annahmen verwenden. Ziel solcher Kritik kann es nicht sein, die herausragende wissenschaftstheoretische Bedeutung von Euklids Vorgehensweise in Frage zu stellen. Vielmehr baut sie auf Euklids Denken auf und versucht, dies konsequent weiterzuführen. Die moderne axiomatische TheorieIn einem anderen Sinne ist Euklidische Geometrie eine am Ende der 19. Jahrhunderts entstandene, streng axiomatische Theorie. Die genannten Probleme wurden deutlich, als sich Russell, Hilbert und andere Mathematiker um eine strengere Grundlegung der Mathematik bemühten. Sie wurden gelöst von David Hilbert in seinem Werk Grundlagen der Geometrie (Teubner 1899, zahlreiche Neuauflagen). Vorläufer waren Hermann Graßmann, Moritz Pasch, Giuseppe Peano und andere. Auch nach Hilbert wurden mehrere andere Axiomensysteme für die Euklidische Geometrie aufgestellt. Hilberts VorgehensweiseHilbert verwendet "drei verschiedene Systeme von Dingen", nämlich Punkte, Geraden und Ebenen, von denen er nur sagt: "Wir denken (sie) uns". Diese Dinge sollen "in drei grundlegenden Beziehungen" zueinander "gedacht werden", nämlich "liegen", "zwischen" und "kongruent". Zur Verknüpfung dieser "Dinge" und "Beziehungen" stellt er dann 20 Axiome in fünf Gruppen auf:
Siehe auch: Hilberts Axiomensystem der euklidischen Geometrie Weitere AxiomensystemeSpäter aufgestellte Axiomensysteme sind grundsätzlich äquivalent zu dem Hilberts. Sie berücksichtigen die Weiterentwicklung der Mathematik. Euklidische und nichteuklidische GeometrieWeiterhin dient der Begriff Euklidische Geometrie als Gegenbegriff zu den nichteuklidischen Geometrien Mit der Entwicklung des modernen axiomatischen Denkens entstand die Ansicht, dass Axiomensysteme auch abgewandelt werden können, dass es also sinnvoll ist, neben "der Geometrie" auch andere "Geometrien" zu untersuchen. Erkenntnisleitend war dabei die Auseinandersetzung mit dem Parallelenpostulat. Um heraus zu finden, ob dieses ungeliebte Axiom entbehrlich ist, musste es variiert und mussten dann die Auswirkungen auf das geometrische System untersucht werden. So entwickelten der Ungar János Bolyai und der Russe Nikolai Iwanowitsch Lobatschewski - um 1830, also schon lange vor der endgültigen Fixierung der euklidischen Geometrie durch Hilbert - eine nichteuklidische Geometrie, in der das Parallelenaxiom durch andere Axiome ersetzt ist. Nichteuklidische Geometrien und die WirklichkeitNichteuklidische Geometrien (es gibt verschiedene) erheben nicht den Anspruch, den realen Raum zu beschreiben, sondern verstehen sich zunächst als rein mathematische Theorien, die nur durch die Ähnlichkeit der Begriffe und Axiomensysteme den Namen "Geometrie" verdienen. Diese Theorien haben sich inzwischen allerdings in der theoretischen Physik als sehr relevant für die Beschreibung der Realität unseres Weltalls erwiesen. Die analytische Geometrie der Ebene und des RaumesIn einem Koordinatensystem lässt sich ein Punkt darstellen als ein Paar (in der ebenen Geometrie) oder als ein Tripel von reellen Zahlen. Eine Gerade oder Ebene ist dann eine Menge von solchen Zahlenpaaren (bzw. -tripeln), deren Koordinaten eine lineare Gleichung erfüllen. Die hierauf aufgebaute analytische Geometrie der reellen Zahlenebene Man kann die analytische Geometrie als ein Modell für die axiomatische Theorie ansehen. Dann liefert sie einen Beweis der Widerspruchsfreiheit des Axiomensystems (wobei man allerdings eine widerspruchsfreie Begründung der reellen Zahlen als gegeben voraussetzen muss). Man kann den analytischen Zugang aber auch als eine selbstständige (und bequemere) Begründung der Geometrie ansehen; aus dieser Sicht ist der axiomatische Zugang nur noch von geschichtlichem Interesse. Bourbaki zum Beispiel verzichtet vollständig auf die Verwendung originär geometrischer Begriffe und hält mit der Behandlung der topologischen Vektorräume das Thema für erledigt. Euklidische Geometrie als Lehre vom MessenEuklidische Geometrie ist auch die Geometrie, in der Strecken und Winkeln Maße zugeordnet werden. Im axiomatischen Aufbau der euklidischen Geometrie kommen Zahlen scheinbar überhaupt nicht vor. Es ist allerdings festgelegt, wie man an eine Strecke eine kongruente in der gleichen Richtung anfügt, diese also verdoppelt - und folglich auch mit einer beliebigen natürlichen Zahl vervielfacht. Es gibt auch eine Konstruktion, um eine gegebene Strecke in Bei anderen Konstruktionen ergeben sich Strecken, die keine rationale Zahl als Maßzahl haben. (Etwa die Diagonale des Quadrats über der Einheitsstrecke oder ihre Abschnitte bei der Teilung nach dem goldenen Schnitt.) Dies nachgewiesen zu haben, zeugt von dem unglaublich hohen Niveau der griechischen Mathematik schon zur Zeit der Pythagoreer. Somit wird die Einführung von irrationalen Zahlen erforderlich. 2000 Jahre später stellt Hilberts Vollständigkeitsaxiom sicher, dass alle reellen Zahlen als Maßzahlen für Strecken auftreten können. Die Festlegung von Maßzahlen für Winkel verläuft ähnlich. Die Festlegung eines "Einheitswinkels" entfällt, da mit dem Vollwinkel (oder dem Rechten Winkel) ein objektives Maß existiert. Andererseits ist die Teilung des Winkels in Die so eingeführte Metrik ist äquivalent zu der durch die 2-Norm induzierten Euklidische Metrik des "analytischen" Maßzahlen für Winkel lassen sich in der analytischen Geometrie über das Skalarprodukt von Vektoren definieren. Verallgemeinerung für höhere DimensionenAls analytische Geometrie lässt sich die Euklidische Geometrie ohne weiteres für eine beliebige Anzahl von Dimensionen verallgemeinern. Zu den Geraden und Ebenen treten dann höherdimensionale lineare Punktmengen, die als Hyperebenen bezeichnet werden. (In einem engeren Sinne ist eine Hyperebene eines n-dimensionalen Raumes ein möglichst "großer", also (n-1)-dimensionaler Teilraum.) Die Zahl der Dimensionen ist dabei nicht beschränkt und muss auch nicht endlich sein. Zu jeder Kardinalzahl lässt sich ein Euklidischer Raum dieser Dimension definieren. Räume mit mehr als drei Dimensionen sind für unser Vorstellungsvermögen grundsätzlich unzugänglich. Sie wurden auch nicht mit dem Anspruch entworfen, menschliche Raumerfahrung darzustellen. Ähnlich wie bei den nicheuklidischen Geometrien fanden sich aber auch hier Bezüge zur theoretischen Physik: Die Raumzeit der speziellen Relativitätstheorie lässt sich als vierdimensionaler Raum darstellen. In der modernen Kosmologie gibt es Erklärungsansätze mit noch erheblich mehr Dimensionen. Verwandte GebieteVerzichtet man auf das 3. und 4. Euklidsche Postulat (also auf die Begriffe "Kreis" und "Rechter Winkel") oder beschränkt man sich, für eine präzisere Definition, auf Hilberts Axiome der Verknüpfung und der Parallelen, so erhält man eine affine Geometrie. Sie wurde von Leonard Euler erstmals entwickelt. Die Begriffe "Abstand" und "Winkelmaß" kommen hier nicht vor, wohl aber Streckenverhältnisse und Parallelität. Da die Stetigkeitsaxiome wegfallen, können affine Geometrien auch aus endlich vielen Punkten bestehen. Ersetzt man das Parallelenaxiom durch die Festsetzung, dass zwei in einer Ebene gelegene Geraden immer einen Schnittpunkt haben sollen, so entsteht aus der affinen eine projektive Geometrie. Siehe auch
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